Mit einer beeindruckenden Werkschau und der Expertenbefragung FORUM hatte die Schülerfirma ARKADIEN Galerie Artothek des Beruflichen Gymnasiums am Adolph-Kolping-Berufskolleg am Mittwoch, dem 13. November, zur Vernissage seiner Jahresausstellung 2013 geladen.

Ellen Gernun, künstlerische Leiterin des Beruflichen Gymnasiums und der Schülerfirma, führte die etwa 200 Besucher in die Ausstellung ein. Gezeigt wurden frühe Arbeiten der Klasse GT 13, experimentelle Bildzeichen, die die Schülerinnen und Schüler grafisch stark zu ausdrucksreichen Kompositionen verknüpfen konnten.

Im letzten Jahr hatten sie sich mit dem Thema Architektur beschäftigt. In großformatigen Arbeiten verbinden sich Innenräume und Außenräume mit zarten Liniengewittern und abstrakten Bildzeichen, die wieder neue Gebäude assoziieren, aber auch an Stadtpläne, U-Bahn-Netze, Flugzeuglandebahnen oder Schifffahrtslinien denken lassen. Spielerisch wohltuend und inspirierend wirkten die kleinen „ugly houses“, Skulpturen abschreckender Beispiele der modernen Neubauarchitektur, wie sie in heutigen und hiesigen Wohngebieten zu bewundern ist. Insgesamt zeigten die künstlerischen Arbeiten, dass die urbanen Selbstverständlichkeiten des 21. Jahrhunderts sich zu Kulissen nachhaltiger und multikomplexer Erfahrungen überlagern.

„Nachhaltigkeit findet auch in der künstlerischen Arbeit statt.“, betonte Ellen Gernun: „Erinnern an verloren gegangene Fähigkeiten. Wahrnehmen, dass ich mir vertrauen kann. Reflektieren, dass die Pole getrennt sind und doch zusammengehören. Und Handeln in visuellen Äußerungen aus tiefem Herzen. - Das bleibt. Und was bleibt, entwickelt sich weiter.“

Schulleiter Martin Lohmann betonte in seiner Rede den auf Nachhaltigkeit angelegten ganzheitlichen Bildungsansatz des Beruflichen Gymnasiums: „Das Menschenrecht auf Bildung schließt auch die kulturelle Bildung und die ästhetische Erziehung ein. Beide sollen die Schüler nachhaltig zu Persönlichkeiten formen, damit diese wiederum zur globalen Nachhaltigkeit von Kultur und Ästhetik beitragen können.“

Die Verwaltungsgruppe der Schülerfirma unter der Leitung von Sandra Guderian führte die Besucher durch die Ausstellung und ermöglichte den Interessierten auch Bilder zu mieten bzw. zu kaufen. Dies ist besonders für Mitglieder des gemeinnützigen Vereins ARKADIEN Galerie Artothek e.V. interessant, da sie besonders günstige Miettarife erhalten.

Zum Nachhaltigkeitskonzept des Beruflichen Gymnasiums gehört auch die Kooperation mit dem Arbeitskreis Sri Lanka. Dessen Initiator Lutz Löher war persönlich anwesend und informierte die Besucher über Aktivitäten, Wege und Ziele des Arbeitskreises, dessen Credo es ist, dass jeder gespendete Cent in den Projekten vor Ort landet. Die Besucher hatten die Möglichkeit zu besonders günstigen Konditionen künstlerische Arbeiten der Schülerfirma zu erwerben. Die Hälfte dieser Einnahmen kommt dem Arbeitskreis Sri Lanka zugute.

Ein Höhepunkt des Abends war das neue Modul der Schülerfirma ARKADIEN Galerie Artothek: FORUM – Die Expertenbefragung. „Kerngedanke des FORUMS ist die Tatsache, dass Experten aus den Bereichen Kunst, Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unseren jungen Lernenden aus erster Hand realitätsnahe Informationen sowie gelebte Erfahrungswerte aus der Berufswelt zugänglich machen können.“, erläuterte die Kunstlehrerin und Initiatorin Ulrike Grundhoff das neue Konzept.

Ziel sei es, den Schülerinnen und Schülern des Beruflichen Gymnasiums eine berufliche Orientierung zu erleichtern, damit sie den „Grenzübergang von der Schule in ein Studium oder ein Ausbildungsverhältnis selbstständiger und sicherer bewältigen können.“

Im Schuljahr 2013/2014 ist der Neubau des LWL-Museums für Kunst und Kultur das Ereignis der Münsteraner Kulturlandschaft. Besonders stolz waren die Mitglieder des ARKADIEN-Teams, dass sie zur Feuerprobe des FORUMS Herrn Dr. Hermann Arnhold, Museumsdirektor des LWL-Museums für Kunst und Kultur, als Experten und Gesprächspartner gewinnen konnten.

Nach einer Bilderschau mit Eindrücken des Museumsneubaus, die eine Woche zuvor im Rahmen einer exklusiven Führung der Klassen GT 12 und GT 13 unter der Leitung von Dr. Arnhold entstanden war, stellte dieser sich eine Stunde lang den Fragen der Schülerinnen, Schüler und Interessierten. Er gab bereitwillig und sehr kompetent Auskunft zu Raumkonzepten, Kosten, Ausstellungsprojekten und der Philosophie des neuen Museums, das im September 2014 mit einer Ausstellung hochkarätiger britischer Künstler wie Julian Freud und Francis Bacon eröffnet wird: „Das Museum soll ein Freiraum sein. Das Erdgeschoss beispielsweise dient als öffentlicher Bereich, wo Konzerte, Lesungen, Filme und DJ-Sets stattfinden werden.“ Auf die provokante Frage, ob der Museumsdirektor nicht dem Beispiel der Franzosen folgen und allen jungen Menschen unter 26 Jahren freien Eintritt gewähren wolle, zeigte sich Dr. Arnhold aufgeschlossen: „Das Museum verfügt über eine Sammlung von etwa 300.000 Einzelexponaten. Diese Sammlung gehört der Allgemeinheit. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir sie allen interessierten Menschen zugänglich machen können.“

Dr. Arnhold stellte der Schülerfirma ARKADIEN Galerie Artothek auch ganz neue Museumsformate in Aussicht. So regte er eine Kooperation des LWL-Museums mit dem Beruflichen Gymnasium unter dem Motto „Schüler führen Schüler“ an. Schüler unserer Schule hätte dabei die Möglichkeit Schülergruppen anderer Schulen durch das Museum zu führen und ihnen Ausstellungen und Kunstwerke auf Augenhöhe zu vermitteln.

Der Museumsdirektor war sichtlich beeindruckt von unserer Schülerfirma: „Es ist eine Freude, hier so vielen offenen jungen Menschen zu begegnen. Für Ihre berufliche Zukunft rate ich Ihnen, überstürzen Sie nichts, probieren Sie vieles aus und tun Sie nur etwas, wofür Sie wirklich brennen.“

Den musikalischen Rahmen der Vernissage gestaltete Ben Bönniger mit seiner jungen Trommelgruppe KPANLOGO der Musikschule Wolbeck e.V.

Für das leibliche Wohl boten die Schüler ihren Gästen am Lagerfeuer heißen Punsch mit Brezeln an, die Thomas Stürznickel in der Schulbäckerei ofenfrisch zubereitet hatte.


Text: Werner Grundhoff
Bilder: Robert Rieger